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Abschlussbericht
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich vor nur 10 Monaten noch die wenigen Tage bis zu meinem Abflug in mein lang ersehntes Austauschjahr zählte. Die kleine Stadt St.Cloud, nur wenige Kilometer von Orlando entfernt, war für mich bis dahin nur ein kleiner Punkt auf der Weltkarte. Dort sollte mein neues Zuhause sein. Meine Aufregung war unbeschreiblich groß und ich realisierte plötzlich, dass ich für ein ganzes Jahr nicht zurück kehren würde. Ich wollte die amerikanische Kultur kennen lernen, mein Englisch verbessern und Freunde finden. Ich hatte beschlossen, nicht allzu sehr zu spekulieren, wie es in Amerika wohl seinen würde und stellte mich diesem Jahr offen für alles entgegen.
Der Anfang war voller Begeisterung und Enthusiasmus, schließlich war dieses Jahr doch mein größter Traum gewesen. Und nun wurde er Wirklichkeit. Ich stellte schnell fest, dass meine Sorgen um meine Englischkenntnisse nicht nötig gewesen wären, denn sogar meinen amerikanischen Mitschülern fiel es lustigerweise oftmals gar nicht auf, dass ich aus Deutschland kam. Die Schule war für mich zum Glück recht einfach, aber mein Leben in den USA ganz anders als zu Hause - anfangs musste ich mich ziemlich umstellen. Ich kam mir manchmal vor wie ein kleines Kind, dem man alles neu beibringen musste. Zum Beispiel war da der Müllhäcksler im Küchenwaschbecken, in den man aber nur bestimmten ökologischen Abfall entfernen konnte oder der Schein, den man mitnehmen musste, wenn man während des Unterrichts zu der Toilette gehen wollte. Doch alles wurde mit der Zeit zum Alltag und Routine. Ich begann mit den selben Freunden die Pausen und Wochenenden zu verbringen, an Schulaktivitäten teilzunehmen und das Leben eines amerikanischen Teenagers zu leben. Ich hatte zuletzt nicht einmal mehr einen freien Tag, an dem ausnahmsweise mal nicht ein Besuch mit Freunden nach Disney World oder ein Sonnenbad am Pool verplant war. Ich gewöhnte mich sehr schnell daran, literweise Cola zu trinken und zwei warme Mahlzeiten am Tag zu essen.
Durch den vielen Sport, den ich zuletzt mit Freunden machte, nahm ich dann glücklicherweise zum Ende meines Austauschjahres nicht mehr allzu viel zu. Ich stellte fest, wie sehr ich mich verändert habe in diesem Jahr und wie viel ich über mich selbst gelernt habe. Mit der Zeit kam es mir vor, als hätte ich schon immer dort gelebt. Ich vermisse jeden einzelnen Mensch, der mir im Laufe des Jahres wirklich wichtig geworden ist und bin sehr traurig, dass ich mein neues Leben in den USA wieder für mein altes in Deutschland eintauschen musste.
Ich bin jedem (und ganz besonders meiner Gastfamilie und meinen besten Freunden Kristen und Carina) so sehr dankbar, dass sie mich alle so offenherzig aufnahmen und mein Austauschjahr zu dem machten, an das ich mich noch in Jahren gerne erinnern werde.
Ich bin der Stiftung Nordlicht so dankbar für ihre Unterstützung und alles was sie für mich getan haben, um mir meinen größten Traum zu verwirklichen:
Ein Austauschjahr in den Vereinigten Staaten von Amerika - eine der wohl ereignisreichsten und wundervollsten Erfahrungen meines Lebens.
Hanna-Lisa Ott aus Florida
April 2008
Im Laufe des Austauschjahres habe ich oft darüber nachgedacht, wie es denn wohl gewesen wäre, wenn ich nur für ein halbes Jahr in die USA gegangen wäre. Carina Dirscherl, eine der vielen Austauschschülerinnen hier an meiner amerikanischen High School, hat genau dies getan. Sie kommt aus Deutschland oder genauer gesagt aus Wörth (bei Erding) und berichtet von ihren ganz persönlichen Erlebnissen während ihres Auslandshalbjahres.
Carina: Ich hatte mich ursprünglich für einen 10 monatigen Aufenthalt entschlossen. Man teilte mir mit, dass ich mich für eine Sommerabreise im August leider zu spät angemeldet hatte, weil ich mein Visum nicht rechtzeitig erhalten würde. Doch letztendlich wollte ich aber unbedingt an einem Austausch teilnehmen und habe mich deshalb dazu entschlossen, mich für eine Winterabreise anzumelden. Ein anderer Grund war, dass ich ein sehr familienbezogener Mensch bin und mir nicht wirklich vorstellen konnte, meinen Geburtstag (November) und Weihnachten ohne meine richtige Familie zu verbringen.
Carina: Ich wollte schon immer einmal eine andere Kultur kennen lernen. Das bedeutet für mich, ein Land nicht als Touristin zu erkunden, sondern als Mitglied in einer Familie zu leben, dort zur Schule zu gehen, Freundschaften zu schließen, sich anzupassen (das ist echt sehr wichtig) und einfach mein normales Leben hinter mir zu lassen. Mir gingen aber noch ein paar Fragen durch den Kopf wie z.B. : Halte ich es ein halbes Jahr ohne meine Familie und Freunde aus? Werde ich mich in den USA leicht eingewöhnen und neue Freunde finden? Wie ist meine Gastfamilie?
Sind sie nett und passen wir zusammen? Letztendlich hat dann meine Abenteuerlust überwogen.
Carina: Zuerst hatte ich gar keine Vorstellung, wie es in den USA sein würde. Es war ja noch so viel Zeit bis zu meinem Abflug und ich hatte ja noch nicht mal eine Gastfamilie. Doch im Oktober bekam ich einen Brief von meiner Organisation, in dem die Adresse meiner Familie in den USA stand. Da wurde ich dann doch ganz aufgeregt und der Stress fing an. Ich wollte doch noch mit so vielen Freunden in Deutschland etwas unternehmen, bevor es nach Amerika ging und noch dies und das besorgen. Besonders die letzen zwei Wochen waren richtig hektisch. Und so muss ich ganz ehrlich gestehen, dass ich gar keine Zeit zum Nachdenken hatte.
Carina: Es dauerte eine Weile, bis ich mich an meine Gastfamilie gewöhnt hatte. Aber nach etwa drei Monaten war eigentlich jeder Tag ein Highlight. Was ich besonders genossen habe, war die "springbreak", weil ich da sehr viel mit meinen neuen Freunden unternommen habe und an den Strand gekommen bin. Was ich richtig vermissen werde, wenn ich wieder in Deutschland bin, sind die Pferde meiner Gastfamilie, auf denen wir Ausritte mit bis zu 600 Reitern unternommen haben. Da ich unbedingt Sport treiben wollte (um nicht zuzunehmen, was hier sehr schnell geht), nahm ich im "trackteam" (Leichtathletik) in der Harmony High School teil. Es war manchmal schon hart, aber ich werde die netten Mädchen, die Trainer und die Wettkämpfe, die manchmal sogar während der Schulzeit waren, echt vermissen. Mein Alltag sah ungefähr so aus: Schule bis 14.10 Uhr und danach jeden Tag von 14.30 bis 16.00 "track", dann ging ich nach Hause und machte meine Hausaufgaben und unternahm etwas mit Freunden.
Carina: Ich kann jedem, der mit dem Gedanken spielt, für ein Jahr in ein anders Land zu gehen, nur empfehlen, es wirklich zu tun. Mir persönlich hat dieses halbe Jahr schon unglaublich viel gebracht. In Deutschland habe ich z.B. meinen Eltern nicht besonders viel im Haushalt geholfen und eher an meinen Spaß gedacht. Hier habe ich gelernt, meine Eltern mehr zu respektieren und ihnen im Haushalt unter die Arme zu greifen. Ich habe außerdem gelernt, mehr aus mir herauszugehen und auf Leute zuzugehen, auch wenn ich im ersten Moment denke: " oh die ist aber eingebildet". Das ist nämlich meistens nicht der Fall und die Leute werden dann am Ende die besten Freunde. Ich habe auch gelernt, dass ich auf meine Fähigkeiten vertrauen kann und in der Ferne einen ganz neuen Start schaffen kann. Ich verstehe andere Kulturen jetzt viel besser und z.B. warum die Amerikaner so sind wie sie sind. Ich werde auf jeden Fall zurück nach Florida kommen, weil ich hier richtig gute Freunde gefunden habe und natürlich eine zweite Familie.
Februar 2008
Ursprünglich feierten die Amerikaner jedes Jahr am 22.Februar den Geburtstag von George Washington, ein Held des Unabhängigkeitskrieges und der erste Präsident der Vereinigten Staaten. Doch da ein Nationalfeiertag alleine nicht wirklich genug war, ehrte man zudem den Geburtstag von Abraham Lincoln, Präsident während des Bürgerkrieges, am 12. Februar. Und wer jetzt annimmt, dass man hier alle 43 Geburtstage der ehemaligen Präsidenten feiert, überschätzt dann doch den alt bekannten Nationalstolz der Amerikaner. Denn in den siebziger Jahren beschloss der Kongress, einen Feiertag zu Ehren aller US-Präsidenten einzurichten - den "Presidents Day" am dritten Montag im Februar. Dieser Tag wird zwar nicht wirklich von der Bevölkerung gefeiert, doch die Tatsache, dass wir keine Schule hatten, kam mir sehr gelegen.
Ich befinde mich derzeit im Landkreis "Osecola" (Florida). Im Februar findet hier seit unzähligen Jahren eine zweiwöchige "fair" (dt. Messe) statt, eine der größten Veranstaltungen des Jahres. Die Messe umfasst sowohl eine Tierausstellung, Kunstausstellung, als auch einen nicht gerade kleinen Jahrmarkt und ein Rodeo. Viele meiner Freunde stellten auf einer dort stattfindenden Tierausstellung ihre Schweine, Ziegen, Kühe, Pferde, Hühner oder Hasen vor, um die sie sich zu Hause auf ihrer kleinen Farm immer gekümmert haben. Man kann sich das Ganze eigentlich als eine Arena vorstellen, in deren Mitte ein Preisrichter steht und um ihn herum versuchen 10 Kinder im Alter von 9-18 Jahren ihre Schweine oder Ziegen mit Leinen und Stäben einigermaßen zu kontrollieren und mit ihnen im Kreis zu laufen. Beurteilt wird letztendlich, welches Tier die besten Körpereigenschaften (wie z. B Muskel- oder Körperbau) hat und damit am besten abschneidet. Für den ersten Platz erhält man dann schon einmal $170.
Finanziert wird das Ganze von Sponsoren, die ein Herz für Kinder haben. Das gleiche gilt auch für die Kunstausstellung und den -wettbewerb. Kinder im Alter von 5- 18 Jahren konnten kreative Arbeiten in diversen Kategorien einreichen, die über die 2 Wochen platziert und in einer Halle ausgestellt wurden. Ich habe einige Projekte eingereicht, unter anderem Cookies, Näharbeiten und eine Zeichnung . Da ich schon am "Check-In"-Tag gesehen habe, dass die Konkurrenz riesig und auch wirklich sehr gut war, hat es mich dann doch sehr erstaunt, dass ich mit fast allen meiner Projekte den ersten Platz belegt hatte. Der Spaß am Teilnehmen war mir aber trotzdem wesentlich wichtiger, als die Prämierung am Ende.
Am zweiten Freitag konnte man ein Armband für $20 kaufen, mit dem man uneingeschränkten Zutritt zu allen Attraktionen des Jahrmarktes hatte. An diesem Tag schien sich wirklich jeder entschieden zu haben, auf den Jahrmarkt zu gehen, denn ich traf mindestens meine halbe Schule wieder. Ich hatte viel Spaß mit allen und stellte mal wieder fest, wie viele Freunde ich hier schon gefunden habe und wie sehr ich mich hier schon eingelebt habe.
Immer noch sonnige Grüße aus Florida, Hanna-Lisa Ott
Januar 2008
Florida ist nicht nur bekannt für Sonne, Strand und Tourismus, es ist ebenso bekannt für gefährliche Alligatoren, die in den unzähligen Gewässern Floridas leben.
Anfang Januar nahm mich meine Gastfamilie mit in ein riesiges Naturschutzgebiet zu einem Abenteuerpicknick. Nachdem wir mit unserem Auto viele Meilen einen Schotterweg gefolgt sind, kamen wir letztendlich an einen Fluss an. Man stelle sich vor, dass man einen schmalen Fußweg entlang läuft, man zwar nur spärlich Bewegungen im Wasser sieht und doch weiß, dass man von monströsen Alligatoren umzingelt ist, die alle 10 Minuten auftauchen, um Luft zu holen. Wäre es an dem Tag nicht so kühl gewesen, dann wären die Aktivitäten der grünen Biester viel höher und ein Fußmarsch durch dieses Gebiet ein Spiel mit dem Leben gewesen. Ich denke, ich habe nach fünf Monaten nun endlich das wahre Florida gesehen, wie es einmal war, bevor Geschäfte und Wohnsiedlungen entstanden sind, Sümpfe trockengelegt und Bäume abgeholzt wurden. Nie zuvor habe ich Racoons (Waschbären) gesehen, die unter Bäumen sitzen und Orangen essen. Geier und Adler kreisten über unseren Köpfen und manchmal glaubte ich, einen Alligator im Wasser gesehen zu haben, als wir in freier Wildnis unsere Sandwiches aßen. Mittlerweile habe ich sogar schon Schildkröten die Hand geschüttelt.
Es muss nicht immer die verzaubernde Welt der Mickey Maus oder ein Sonnenbad unter Palmen sein, die einen Aufenthalt in Florida zu einem Erlebnis machen.
Ich liebe immer noch das Wetter und die Tatsache, dass ich diesen Winter keine warme Kleidung tragen und meine Stiefel zum Trocknen unter die Heizung stellen muss.
Floridas Landwirtschaft ist stark auf den Anbau von Orangen spezialisiert. Meilenweit kann man eine Strasse entlang fahren und nichts als Orangenplantagen sehen. Es hat mich jedoch etwas irritiert, dass kaum Orangen in den Läden angeboten werden und sie auch niemand wirklich zu essen scheint.
Und wo wir schon einmal über Essen sprechen. Wer hätte gedacht, dass ich in fünf Monaten mehr mexikanische Gerichte gegessen habe, als ich je in meinen vorherigen 16 Jahren und ich bei den besten Chocolate Chip Cookies der Welt nicht nein sagen kann, was sich langsam auf meinen Hüften bemerkbar macht.
Nachdem ich meine Halbjahresexamen (auch stundenlange Ankreuztestchen genannt) hinter mich gebracht habe, durfte ich meinen Stundenplan ändern. Und ich muss sagen, ich hätte nie gedacht, dass mir eine Stunde Aerobic am Morgen so gut gefallen würde.
Immer noch sonnige Grüße aus Florida, Hanna-Lisa Ott
Dezember 2007
Süßigkeiten in speziellen Weihnachtsverpackungen, ununterbrochene Geschenkgutschein-Werbungen im Fernsehen, Lichterdekorationen an den Häusern, einen Briefkasten voller Weihnachtskarten, 27°C und strahlender Sonnenschein, das ist Weihnachten in Florida, wie ich es erlebt habe. Eine unglaubliche Erfahrung mit vielen neuen Traditionen und einer mal ganz anderen Weihnachtsstimmung.
Wer hätte gedacht, dass das Ganze schon wenige Tage nach dem altbekannten Thanksgiving beginnen würde. Wenn sich Geschäfte auf den Weihnachtseinkauf einstellen und die Mehrheit der Amerikaner die Kisten mit Weihnachtsdekorationen auspacken. Zu meiner Verwunderung musste ich ziemlich schnell feststellen: Man feiert hier gewöhnlich keinen Sankt Nikolaus-Tag. Doch dieses Jahr würde der Nikolaus für meine Gastfamilie und mich eine Ausnahme machen, so dass jeder in der Familie am 5. Dezember mit Vorfreude einen Schuh herausstellte und ihn am Morgen des 6. Dezembers voll gefüllt wieder fand. Die restliche Vorweihnachtszeit haben wir hauptsächlich damit verbracht, Kekse zu backen und mit farbenfroher Glasur zu dekorieren, mit unserem Golfmobil die Weihnachtsbeleuchtung in unserer Nachbarschaft anzusehen, was ganz besonders meinem kleinen Gastbruder gefallen hat oder einen Ausflug in eine atemberaubende und kalte Eisskulpturenausstellung zu unternehmen.
Der wichtigste Unterschied ist, dass die Geschenke am Morgen des 25. Dezembers aufgemacht werden. Das gibt dem Fest einen ganz anderen Charakter. So ist der 24. Dezember der einzige Tag im Jahr, an dem die Kinder so früh wie möglich ins Bett gehen wollen- am besten direkt nach dem Mittagessen- damit es schneller Morgen wird.
Santa kommt nämlich in der Nacht, denn man braucht etwas Zeit, um den halben Planeten zu beliefern, selbst wenn man alle diese Helfer hat und neun super schnelle Rentiere. Er ist dann auch hungrig und durstig. Deswegen stellt man ihm einen Teller mit Keksen und ein Glas Milch hin. Und am nächsten Morgen sind tatsächlich nur noch einige Krümel übrig. Die Rentiere hinterlassen dann aus Versehen ihre Glocken und ramponieren das Gras (das ich mühsam um Mitternacht mit der Schere bearbeiten musste). Das Ziel ist es dann, möglichst früh aufzustehen. Christmas ist eine Pyjama -Party: Die Kinder öffnen die Geschenke im Schlafanzug, während die Eltern im Bademantel mit einem Kaffee in der Hand versuchen, irgendwie wach zu werden.
Der nächste Unterschied sind die Stockings - die überdimensionierten Strümpfe - die an den Kamin oder an eine Mauer gehängt werden. Hier wird Nikolaus nachgeholt: Santa steckt Süßigkeiten und kleinere Geschenke dort hinein. Stockings werden zuerst ausgeleert, damit man etwas essen kann und keine Zeit mit einem Frühstück vertrödeln muss.
Silvester ("New Years Eve") fiel bei mir ziemlich außergewöhnlich aus. Da ich es aus Deutschland so gewöhnt war, dass man den ganzen Abend auf Mitternacht hinfiebert, feiert und sich alle möglichen Dinge vornimmt für das kommende Jahr, die Leute mit riesigen und meist sehr lauten Feuerwerken das kommende Jahr begrüßen, habe ich natürlich erwartet, ein noch viel größeres Spektakel hier in Amerika zu erleben - doch nichts dergleichen. Meine Gastfamilie schien sich nicht sonderlich für Silvester zu interessieren, so dass wir diesen Tag verbrachten wie auch jeden anderen Tag. Im Fernsehen haben wir uns dann eine Silvesterparade in New York angesehen. Wir sind dann wie all zu oft üblich in unserem Golfmobil - mit Waffe und Scheinwerfer ausgerüstet - auf Gürteltierjagd gegangen, was letztendlich, zu meinem Bedauern, erfolgreich ausfiel. Um kurz vor 24 Uhr ist dann die Hälfte der Familie, die noch nicht eingeschlafen war, auf das Hausdach geklettert, um sich das riesige Disneyfeuerwerk anzusehen, für das man den Vergnügungspark ein zweites Mal an diesem Tag geöffnet hatte. Doch erstaunlicherweise war weit und breit kein einziger Feuerwerkskörper zu sehen in unserer Nachbarschaft und das Disneyfeuerwerk konnte man leider wegen Bewölkung nicht sehen - nur spärlich hören.
Ich wünsche allen Lesern ein gutes neues Jahr!
Hanna-Lisa Ott aus Florida
November 2007
"Amerika ist unglaublich vielfältig" - hieß es in einem Reiseführer, den ich vor meinem Austauschjahr gelesen habe. Wirklich realisiert habe ich es aber erst Anfang November auf meinem Wochenendsausflug nach Indiana zur Stiefmutter meiner Gastmutter und ihren Töchtern.
Da mich die unglaublich warmen Temperaturen hier in Florida natürlich so sehr verwöhnt haben, musste ich mich an das eigentlich gar nicht so kalte Indiana erst einmal gewöhnen. Und überhaupt musste ich feststellen, dass alles irgendwie ganz anders aussah als in Florida. Die Landschaft ist wunderschön. Vor allem die Farben der Blätter im Herbst und die Häuser erinnern mich viel mehr an deutsche Häuser mit Ziegelsteinen, ebenso wie die vielen Felder für Landwirtschaft. In Florida mag man eventuell ein paar Zitrusfelder sehen und Wiesen auf denen Kühe grasen, das ist es dann aber auch schon.
Ich habe zum ersten Mal ein High School Basketballspiel gesehen und mich wirklich sehr in den Sport verliebt. So beliebt wie American Football in Florida ist, so beliebt ist Basketball in Indiana.
Wir haben Ausflüge in die großen Städte wie Indianapolis und Louisville in Kentucky gemacht. Zudem habe ich die Indiana Universität in Bloomington besucht, eine der besten staatlichen Unis in den USA. Man kann hier tatsächlich alles studieren. Sollte es den gewünschten Studienbereich nicht geben, den man studieren möchte, so wird er aufgemacht.
Ich habe viel dazu gelernt und viel Spaß gehabt. Doch was mich am meisten beeindruckt hat, war der Besuch der amischen Familie Schmidt, die mich netterweise eingeladen hatte, um mir einen Einblick in ein amisches Leben zu geben.
Die Amischen sind eine christliche Religionsgemeinschaft in 26 Staaten Amerikas, die ein ganz besonders Leben führt. Sie lehnen Technik ab, aber legen großen Wert auf Familie und Gemeinschaft. Alleine die Vorstellung ein Leben ohne Elektrizität, Auto und Luxus zu führen, erscheint mir wirklich schwer. Ich bewundere Familie Schmidt und ihre 12 Kinder, was übrigens nichts außergewöhnliches für die Amischen ist. Herr Schmidt produziert wunderschöne Holzschaukelstühle von Hand und Frau Schmidt näht Patchwork-Decken und Wandhänger. Sie leben in einer kleinen amischen Gemeinschaft, in der sich alle gegenseitig helfen. Selbst ein Hausbau dauert nur wenige Wochen, wenn jeder mit anpackt. Da die Amischen überwiegend von Südwestdeutschen bzw. Deutschschweizern abstammen, sprechen sie untereinander ein altes Deutsch. Ich persönlich hatte keinerlei Probleme sie zu verstehen und es hat mir wirklich Spaß gemacht zuzuhören.
Es ist ein komisches Gefühl, wenn man mit dem Auto auf der Landstraße fährt und den Amischen mit ihren Pferdewagen begegnet. Die übrigen amerikanischen Bürger verstehen sich sehr gut mit den Amischen, die übrigens entgegen aller Vorurteile tatsächlich Steuern zahlen.
Die Kinder der Amischen gehen auf ihre eigenen Schulen im Dorf für 8 Jahre. Früher, sagt Herr Schmidt, musste er noch auf eine öffentliche Schule gehen, da sie keine eigenen Schulen hatten. Wir Amischen Kinder haben uns gut mit den anderen Kindern verstanden. Die Amischen gehen alle 2 Wochen zur Kirche, wobei es immer unterschiedliche Kirchen sind.
Mir wird dieses Wochenende noch lange in Erinnerung bleiben, da bin ich mir sicher.
Ich wünsche allen Lesern eine schöne Adventszeit, fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2008 !
Es berichtet Hanna-Lisa Ott aus Florida.
Oktober 2007
Wenn ich mir so meinen circa einen Meter hohen Stapel an Süßigkeiten ansehe, dann wird mir eines klar: Ich liebe Halloween!
Eigentlich beginnt das Ganze ja schon Wochen vorher, wenn Supermärkte die Halloween-Dekorationen herausholen und das Fernsehen pausenlos Werbung für irgendwelche gruseligen Horror-Filme macht. Die Einwohner beginnen wie verrückt sämtliche Kürbisse, Hexen und Gespenster im Vorgarten zu verteilen und die Halloween-Beleuchtungen anzubringen.
Am 31. Oktober ist dann das eigentliche Event. Einige Familien haben Halloween- Partys oder gehen zu speziellen Horror-Nächten. Die Kinder gehen Trick or Treating (Süßes oder Saures), wobei man hier eigentlich nicht von "gehen" sprechen kann, denn die Distanz zwischen den einzelnen Häusern ist so groß, dass es einfach kaum möglich ist, zu Fuß von Haus zu Haus zu gehen.
Viele benutzen deshalb ihren Trecker oder Truck und einen großen Anhänger mit Heuballen als Sitzfläche. Das Ganze nennt sich dann "Hayride".

Meine Gastgeschwister und ich haben uns als Cowboys- und girls verkleidet und sind mit einigen Nachbarskindern losgefahren. Es hat mich wirklich beeindruckt, wie toll und ausgefallen einige Kostüme ausgesehen haben und wie einige ihren Anhänger dekorierten. Anders als in Deutschland müssen die Kinder hier nicht viel mehr tun, als einfach nur ihre Tüte aufzuhalten, um Süßes zu bekommen.
Für mich war das die große Gelegenheit, sämtliche Sorten an Schokolade und anderen Süßigkeiten kennen zu lernen, die Amerika so zu bieten hat. Unter anderem auch Erdnussbutter und M&Ms - mein großer Favorit.
Ich kann mir immer weniger vorstellen, dass Weihnachten immer näher kommt, denn die Temperaturen sind noch so hoch, dass man hier noch in kurzer Hose und T-Shirt herum läuft.
Dieses Jahr ist für mich wirklich ein ganz besonderes Erlebnis. Ich hätte niemals gedacht, dass ich hier so tolle und neue Erfahrungen mache und Dinge, die ich mir vorher nicht einmal vorstellen konnte - zum Beispiel: Irish Dancing und meine derzeitige Lieblingsbeschäftigung, auf unserem Esel zu reiten und mit den Ziegen zu tanzen.

September 2007
"GO LONGHORNS!"
Man kennt ja das typische Bild einer High School in den USA: Cheerleader, Football Player und die Außenseiter, Spaß, Football Games und School Spirit. Ich muss es leider bestätigen: Es ist wirklich so.
Harmony, das Viertel für wohlhabende Menschen - mit Golfplatz, riesigen Einfamilienhäusern, einer riesigen Parkanlage und schlechtes Wasser aus der Leitung, dass man nicht wirklich trinken kann. Hier befindet sich die "Harmony High School" - meine neue Schule. Sie ist gerade einmal drei Jahre alt, riesig, hat 1526 Schüler/-innen, die neuste Ausstattung, die besten Lehrer.
Unser Schulmaskottchen ist das Longhorn - in Deutschland wohl besser bekannt als das Logo des Wacken Open Air Festivals. Unsere Sportteams sind die besten in dieser Gegend und unsere Schulfarbe ist ein dunkles orange.
Wenn man vermutet, dass man sich an einer Schule mit weit über tausend Schülern nur als einer von vielen vorkommt, dann hat man noch nie eine amerikanische High School gesehen!
In Deutschland bin ich nie gerne aufgestanden, um zur Schule zu gehen. Hier ist das etwas anderes - obwohl ich sehr früh aufstehen muss, um hoffentlich noch ein paar Minuten vor meinem gelben Schulbus an der "Bushaltestelle" zu sein.
Man kann es eigentlich nicht Bushaltestelle nennen, denn anders als in Deutschland, nehmen die Schüler nicht die öffentlichen Verkehrsmittel, um zur Schule zu kommen. Hier gibt es nämlich spezielle Schulbusse, die dich eigentlich direkt vor deiner Haustür abholen. Wenn man nicht gerade wie ich in einer Einbahnstrasse wohnen würde, wo der Bus nicht wenden kann, und somit 2 km mit dem Fahrrad zur Bushaltestelle fahren muss.
Hier zur Schule zu gehen, ist wirklich anders. Man muss sich erst daran gewöhnen, dass man nicht den ganzen Schultag in einem einzigen Klassenraum verbringt und darauf wartet, dass der Lehrer zu einem kommt. In Amerika hat jeder Lehrer seinen eigenen Raum, dekoriert wie er es möchte. Es ist der Schüler, der fünf Minuten hat, um von einem Gebäude zum anderen zu rennen und zwischendurch noch eben sein Buch aus dem Schließfach zu holen. So ein Schließfach hat hier eigentlich fast jeder Schüler. Es ist nicht gerade einfach, wenn man bedenkt, dass jeder Schüler in seinem Klassenraum ankommen will, bevor die Schulglocke klingelt. Die Türen werden mit dem Klingeln abgeschlossen und schafft man es nicht, so gilt man für diese Stunde als abwesend.
Und wenn ich sage Stunde, dann meine ich 60 Minuten, denn so lang ist eine Unterrichtsstunde. Man kann sich seinen Stundenplan selber zusammenstellen. Es gibt hier wirklich eine große Auswahl an Fächern. Und weil man hier jeden Tag dieselben fünf Fächer + Mittagspause (Lunch) hat, ist es auch nicht wirklich schwer, sich die Reihenfolge zu merken.
Ich habe zum Beispiel in der ersten Stunde Algebra 2, was mich manchmal fast zum Einschlafen bringt, da es so leicht ist. Es ist schon ziemlich witzig, dass ich mit meinem Mathe, das ich in der 7.Klasse gelernt habe, als "Genie" gelte. Meine zweite Schulstunde ist dann Amerikanische Geschichte, was mir viel Spaß macht. Es folgt dann Ökologie, Lunch, Fashion Design, Kreatives Schreiben und Englisch.
Ich freue mich auf jedes einzelne Fach und auf die extra lange Mittagspause. In der riesigen Cafeteria hat man jeden Tag die Auswahl zwischen diversen Gerichten (Pizza, Nacchos, Chicken Nuggets, Tacco Salat, Sandwich, usw). Frühstück gibt es hier umsonst - ein Teil der Gesundheitspolitik Floridas.
Ich gehe, wie hier die Mehrheit der Schüler, total gerne zu Footballspielen. Ich habe zwar keine Ahnung wie das Spiel funktioniert, aber da bin ich wohl auch nicht das einzige Mädchen hier. Spiele werden eigentlich hauptsächlich dafür genutzt, um mehr Zeit mit seinen Freunden zu verbringen.
Liebe Grüße Hanna-Lisa
August 2007
Wo andere ihren Urlaub verbringen, um der Mickey Maus die Hand zu schütteln oder um die unglaublichen Temperaturen zu genießen, dort verbringe ich nun also 10 Monate meines Lebens.
Orlando - Florida, wohlmöglich eine der bekanntesten Städte Amerikas, liegt in unmittelbarer Nähe von St. Cloud.
St. Cloud ist eine Stadt mit 25.000 Einwohnern, unzähligen Fast Food Restaurants und Wohnort der besten Gastfamilie, die man sich wünschen kann. Ich kann kaum glauben, dass ich erst vier Wochen hier bin, wenn ich bedenke, was ich schon alles erlebt und erfahren habe und wie wohl ich mich hier fühle.
Ich lebe auf einem Grundstück, das so groß ist wie zehn Fußballfelder und in einem riesigen Haus - gestaltet nach typischer St. Cloud Architektur, die man tatsächlich nur in dieser Gegend findet.
Wenn man einen Schritt vor die Tür setzt, merkt man wieder einmal, wie heiß es hier doch ist. Und das nicht nur, weil die Klimaanlagen innerhalb der Häuser die Raumtemperatur auf Minusgrade herunterfrieren (so kommt es mir nämlich oftmals vor), sondern weil hier Sommer wie Winter wirklich hohe Temperaturen herrschen.
Dass Weiße in dieser Gegend eine Minderheit sind, merkt man ganz besonders, wenn man Einkaufen geht und sich umgeben von Porto Ricanern wiederfindet. Diese werden hier vom Staat subventioniert und bekommen von Lebensmitteln bis Gesundheitsversorgung alles kostenlos. St. Cloud ist in einzelne Nachbarschaften unterteilt. Jede hat einen Zaun drum herum und einen Namen. Die Stadt wird immer größer, da immer mehr Menschen hierher ziehen, um in Orlando zu arbeiten. Das wirkt sich auch auf den Verkehr aus. Die Highways in Richtung Orlando sind zur Zeit des Berufverkehrs wirklich voll. Doch dem wird Abhilfe verschaffen. Es werden neue Straßen gebaut und auch sonst ist hier alles neu.
Riesige Einkaufszentren und Baumärkte, Kirchen und Restaurants zieren rechts und links die Straßen.
Noch nie in meinem Leben habe ich so viele unterschiedliche Tiere gesehen wie hier in Florida. Aber auch noch nie hab ich so riesige und gefährliche Gewitter erlebt wie hier.
Die Wahrscheinlichkeit, von einem Blitz getroffen zu werden, ist hier höher, als im Lotto zu gewinnen. Und wenn ein Hurricane an Florida vorbei zieht, kann man nie sicher sein, ob er nicht doch umkehrt und direkt über unser Haus fegt.
Das Haus hier ist zwar hurricanesicher, doch nur bis zur Stufe 4. Bei einem Hurricane von Stufe 5 müssen wir jedoch nach North Carolina zu Verwandten fahren - ohne Joe, meinen Gastvater. Er arbeitet als Ingenieur für eine Stromversorgungfirma und ist nach der Zerstörung dafür zuständig, die Stromversorgung wieder aufzubauen.
Meine Gastfamilie passt einfach super zu mir. Mit Joe, meinem Gastvater und Lee Ann, meiner Gastmutter habe ich unglaublichen Spaß. Samantha (9), Alyssa (6)und Wyatt (2) können einen manchmal ganz schön auf Trab halten, sind aber die goldigsten Kinder, die man sich wünschen kann. Wir haben einen Esel, der den einfallsreichen Namen "Donkey" trägt, ungefähr 30 Hühner (keiner hat sie jemals gezählt) und seit neuestem zwei Ziegen für mich und Samantha. "Brownie" und "Candy", so haben wir sie genannt, werden wir nächstes Jahr auf einer Ausstellung vorführen und hoffentlich einen Preis gewinnen.
Liebe Grüße aus Florida Hanna-Lisa